Sklaverei und Sklavenhandel im individuellen und kollektiven Gedächtnis: Ein kontrastiver Vergleich verschiedener lokaler Gemeinden, Generationen und Gruppierungen in Ghana und Brasilien

Projektbeschreibung

Unsere empirische, interpretative Studie konzentrierte sich auf einen kontrastiven Vergleich kollektiver und individueller Erinnerungen an die Sklaverei in verschiedenen Regionen, Generationen und Bevölkerungsgruppen in Ghana und Brasilien. Sie zeigt, wie diese Erinnerungen auf sehr unterschiedliche historische Entwicklungen und sich wandelnde soziale Konstellationen zurückzuführen sind. In Ghana legten wir den Schwerpunkt auf Elmina und Cape Coast, von wo aus viele Schiffe mit versklavten Menschen ausliefen, sowie auf drei Gebiete im Norden des Landes (Upper East, Northern Region und Salaga), in denen Menschen gefangen genommen und auf Sklavenmärkten verkauft wurden. In Brasilien arbeiteten wir in der Küstenregion von Salvador da Bahia, wo die meisten heutigen Einwohner Nachfahren ehemaliger Sklav*innen sind, sowie in der Region um Pelotas und Porto Alegre in Rio Grande do Sul, wo die meisten Menschen europäischer Abstammung sind. Wir gingen folgenden Forschungsfragen nach: Welches Wissen über die Vergangenheit wird und wurde in den lokalen Gemeinden und Familien oder vergleichbaren Wir-Gruppen weitergegeben? Welche Arten von Sklaverei und Sklavenhandel werden von wem, wie und in welchen Kontexten thematisiert?

Ein zentraler empirischer Befund unserer Studie ist, dass sowohl in Ghana als auch in Brasilien der transatlantische Sklavenhandel im Vordergrund der öffentlichen Diskurse steht; dies führt dazu, dass die Praktiken der Sklavenjagd, des Sklavenhandels und der Sklavenhaltung innerhalb beider Länder in den Hintergrund geraten. Das Problem dabei ist, dass diese Diskurse zu einer fortschreitenden Verdrängung des Wissens führen, das in den kommunikativen Gedächtnissen von Familien, anderen Wir-Gruppen wie u.a. lokalen Gemeinden noch vorhanden ist. Durch unsere methodenplurale Forschung – die thematisch fokussierte, biografische Interviews, teilnehmende Beobachtung sowie Gruppendiskussionen umfasst – gelang es uns, insbesondere in Ghana, dieses noch vorhandene Wissen aufzudecken. Andererseits wurde deutlich, welche Reparationsstrategien – also welche Argumentationsmuster – eingesetzt werden, um die belastenden Aspekte der Vergangenheit nicht thematisieren zu müssen. In Ghana ist dies vor allem dadurch mitbedingt, dass eine Scham und damit ein Schweigen über eine Familienvergangenheit mit versklavten Angehörigen vorherrscht und der Diskurs über die Sklaverei in den jeweiligen ethno-politischen Gruppierung von den Royals und Chiefs in hohen Positionen bestimmt ist, die ihre Teilnahme am Sklavenfang verleugnen oder bagatellisieren. In Brasilien lässt sich hingegen ein wachsendes Interesse der jüngeren Generation von Afro-Brasilianern an der Geschichte ihrer lokalen Vorfahren und ein Diskurs beobachten, der den Stolz auf ihre Geschichte des Widerstands und ihr ‚afrikanisches‘ kulturelles Erbe hervorhebt. Angehörige der afro-brasilianischen Bevölkerung versuchen ein Zugehörigkeitsgefühl herzustellen und an Kontinuitäten zu einer verlorenen afrikanischen Vergangenheit wieder anzuknüpfen. Dies geschieht durch die Bewahrung religiöser Praktiken, sogenannter afrikanischer Traditionen – wie Essen, Tanz oder Musik – sowie durch den Einsatz von DNA-Abstammungstests als Mittel zur Rückgewinnung ihrer unterbrochenen Abstammungslinien.

Publikationen

Vorträge

Sonstiges


Projektleitung


Prof. Dr. Gabriele Rosenthal
Prof. em. Dr. Gabriele Rosenthal
Georg-August-Universität Göttingen

E-Mail: g.rosenthal@gmx.de


Team in Deutschland



Internationales Team

Prof. Dr. Hermilio Pereira dos Santos Filho
Prof. Dr. Hermilio Pereira dos Santos Filho
Brasilien
Pontifical Catholic University of Rio Grande do Sul – PUCRS

E-Mail: hermilio@pucrs.br

Curriculum Vitae
Dr. Débora Rinaldi
Dr. Débora Rinaldi
Brasilien
Pontifical Catholic University of Rio Grande do Sul – PUCRS

E-Mail: dkleinrinaldi@gmail.com

Curriculum Vitae
Dr. Samuel Nana Abokyi
Dr. Samuel Nana Abokyi
Ghana
University for Development Studies, Tamale

E-Mail: sabokyi@uds.edu.gh

Dr. Felix Longi
Dr. Felix Longi
Ghana
University for Development Studies, Tamale

E-Mail: longifel@yahoo.com

Curriculum Vitae

Ehemalige Mitarbeitende

Ishmael Osei Boampong
Raphaela Pereira Dellazeri
Raphaela Pereira Dellazeri, BA
Brasilien
Vale do Rio dos Sinos University (UNISINOS)

E-Mail: raphaela.dellazeri@edu.pucrs.br

Ruth Kaburi
Nathalia Louruz de Mello
Nathalia Louruz de Mello, M.A.
Brasilien
Catholic University of Rio Grande do Sul – PUCRS

E-Mail: nathalialouruz@gmail.com

Curriculum Vitae
Handiara Oliveira dos Santos
Handiara Oliveira dos Santos, BA
Brasilien
Pontifical Catholic University of Rio Grande do Sul – PUCRS
Julian Schweer
Julian Schweer, BA
Deutschland
Georg-August-Universität Göttingen

E-Mail: julian.schweer@stud.uni-goettingen.de

Curriculum Vitae
Dr. Nicole Witte
Dr. Nicole Witte
Deutschland
Georg-August-Universität Göttingen

E-Mail: nwitte@gwdg.de

Curriculum Vitae
Marcela Soares
Marcela Soares
Brasilien
Federal University of Bahia (UFBA)

E-Mail: marcelagssoares@outlook.com

Curriculum Vitae