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Wissenschaftliche Fundierung für mehr Chancengerechtigkeit: NRW veröffentlicht Kita-Sozialindex

Dieses Bild wurde mit einem Text-to-Image Diffusion Model (KI) erstellt.

Nordrhein-Westfalen veröffentlicht als erstes Flächenland einen Kita-Sozialindex. Entwickelt wurde das wissenschaftliche Berechnungsmodell von Prof. Dr. Jörg-Peter Schräpler und Sebastian Jeworutzki vom Lehrstuhl für Sozialwissenschaftliche Datenanalyse der Ruhr-Universität Bochum.

Der neue Kita-Sozialindex bildet die solide empirische Grundlage dafür, Fördermittel für Kindertageseinrichtungen im Land künftig noch effektiver und zielgerichteter einzusetzen. Mit diesem Instrument können das Land und die Kommunen erstmals bis auf die Ebene einer einzelnen Kita genau identifizieren, wo erhöhte Unterstützungsbedarfe bestehen. Darüber hinaus dient der Index den Kommunen als verlässliche Orientierung für eigene finanzielle Entscheidungen, beispielsweise im Bereich der Sprachförderung.

Für die Erstellung des Index wurden rund 10.800 Kindertageseinrichtungen, die Mittel aus dem Kinderbildungsgesetz erhalten, analysiert und auf einer neunstufigen Skala eingestuft. Methodisch basiert der Index auf wissenschaftlichen Berechnungen zur Kinderarmutsdichte im jeweiligen Einzugsgebiet der Einrichtungen, die über den SGB-II-Bezug der Eltern ermittelt wird, sowie auf kitagenauen Daten zur Familiensprache der Kinder. Das verwendete Berechnungsverfahren knüpft an bewährte statistische Methoden an und berücksichtigt sozialräumliche sowie einrichtungsspezifische Strukturen, um ein valides Bild der Kita-Landschaft zu zeichnen.

Die flächendeckende Auswertung liefert ein differenziertes Bild der sozialen Belastungen und Bedarfe in Nordrhein-Westfalen. Rund 13 Prozent der Einrichtungen weisen hohe Unterstützungsbedarfe der Indexstufen sieben bis neun auf, während etwa 27 Prozent in die mittleren Stufen fallen und rund 60 Prozent geringere Werte zeigen. Die Analysen machen zudem ein deutliches Stadt-Land-Gefälle sichtbar, da Kitas der höchsten Belastungsstufe ausschließlich in Großstädten vorkommen und in ländlichen sowie kleinstädtischen Regionen nicht auftreten. Im Landesdurchschnitt liegt der Anteil von Kindern mit einer anderen Familiensprache als Deutsch bei 25,4 Prozent, wobei es in einzelnen Einrichtungen erhebliche Spannweiten von vollständiger Homogenität bis hin zu rein anderssprachigen Gruppen gibt. Eine interne Evaluation in mehreren Jugendamtsbezirken verschiedener Gemeindetypklassen bestätigte zuvor, dass das Modell in sehr hohem Maße den realen örtlichen Eindrücken und Daten vor Ort entspricht.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse fließen direkt in die praktische Umsetzung der Landespolitik ein. Aufbauend auf dem Index führt das zuständige Ministerium zum ersten August 2027 die sogenannten Chancen-Kitas ein. Diese Einrichtungen erhalten zusätzliche finanzielle Ressourcen im Wert von jeweils 60.000 Euro, um durch spezielle Kita-Sozialarbeit die soziale Teilhabe und den frühzeitigen Bildungszugang nachhaltig zu stärken. Die Mittel ermöglichen es den Einrichtungen, passgenaue Unterstützungsangebote aufzubauen, Familien intensiv zu begleiten und Kooperationen im Sozialraum zu intensivieren. Begleitet wird dieser Prozess durch eine neu im Aufbau befindliche Servicestelle.

Da sich gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Belegungsstrukturen verändern, ist der Kita-Sozialindex als fortschreibungsfähiges Instrument konzipiert und soll regelmäßig aktualisiert werden, um auch künftig eine passgenaue und transparente Steuerung der frühkindlichen Bildung in Nordrhein-Westfalen zu gewährleisten.

Weitere Informationen sind auf den Seiten des MKJFGFI NRW zusammengestellt.

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